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Am und übers Wasser ins Welterbe

Eine herrliche Schlussetappe für die Talroute des RegnitzRadwegs liegt zwischen Hirschaid und der Regnitzmündung in Bischberg vor den Radlern – durch Wiesen mit „Landschaftsgedächtnis“, durch einen märchenhaften Park und durch das UNESCO-Welterbe Bamberg.

Ein schönes Waldstück erwartet die Radler, die ihre Tour im Hirschaider Ortsteil Sassanfahrt fortsetzen. Im Schatten der Bäume erreichen sie Erlach und überqueren dort die Reiche Ebrach. Sie brachte während der jüngsten Eiszeit aus dem Steigerwald zusammen mit ihren Schwestern Aurach, Rauher Ebrach und Aisch den vielen Sand ins Regnitztal. In den Weihern, die in den flachen und breiten Tälern der Steigerwaldzuflüsse liegen, wachsen den Sommer über die Karpfen heran. Von September bis April sind sie „gebacken“ oder „blau“ ein typisch fränkisches Gericht in den Gastwirtschaften der umliegenden Orte.

Auf zum Fährmann

Am Waldrand entlang und parallel zur Straße und zur Regnitz nehmen die Radler das nächste Stück in Angriff, bei dem sie nicht nur am Wasser, sondern auch auf dem Wasser unterwegs sind: In Pettstadt bringt sie die Gierseilfähre sicher über die Regnitz. Zuvor lohnt es sich aber, der Pfarrkirche Mariä Geburt in Pettstadt einen Besuch abzustatten: Sie ist eine der größten und eindrucksvollsten Barockkirchen im Regnitztal.

Mit dem Übersetzen über die Regnitz befindet man sich mitten im Naturschutzgebiet Pettstadter Sande. Die sandigen Böden, wie sie typisch für das Regnitztal sind, sind hier besonders gut zu sehen – genauso wie der Spargel, der direkt auf den Feldern am Radweg angebaut wird. An der Brücke über den Kanal unterhalb der Schleuse Strullendorf lockt ein Abstecher ins Zeegenbachtal mit seiner Vielfalt an Bierkellern, Brauereien und Gaststätten. Von der imposanten Laurentiuskirche in der Ortsmitte von Strullendorf geleitet eine historische Lindenallee die Radler direkt zur Brotzeit unter den schattigen Bäumen des Felsenkellers.

Ein Fluss mit Gedächtnis

Das letzte Stück vor Bamberg legen die Radler durch die idyllischen Buger Wiesen zurück, die sich zwischen der Regnitz und dem Main-Donau-Kanal erstrecken. Wo die Radwegtrasse verläuft, schlängelten sich noch vor 150 Jahren Altarme der Regnitz. Das sanfte Wellenprofil des Geländes, Schilf und typische Auwaldpflanzen wie Traubenkirsche und wilder Hopfen zeugen vom langen Landschaftsgedächtnis der Flüsse.

Das vom Sand gefilterte Grundwasser der Buger Wiesen liefert den Bambergern einen Teil ihres Trinkwassers. Da die Wiesen deswegen nicht gedüngt werden, wachsen hier Sandgrasnelke und verschiedene Orchideen, Schmetterlinge und Käfer wie der Sandlaufkäfer finden einen idealen Lebensraum.

In Bughof wartet mit der Schleuse 99 ein weiteres Erbe des historischen Ludwigskanals. Direkt vom Radweg aus ist das kleine Schleusenwärterhäuschen, in der der Schleuser mit seiner Familie wohnte, gut zu sehen.



Wie eine Fahrt durch ein Gemälde

Noch einmal überqueren die Radler nun die Regnitz und dürfen sich auf eines der schönsten Stücke am gesamten RegnitzRadweg freuen: die Fahrt von der Buger Spitze durch den Bamberger Hain – dieses Stück gleicht mit seinen mächtigen Buchen und Eichen, deren Zweige teils das Wasser der Regnitz berühren, der Fahrt durch ein Gemälde.

Kein Wunder, dass die Bamberger schon um 1750 zur Sommerfrische an die Buger Spitze kamen, wo sich die Regnitz in einen linken und einen rechten Arm aufteilt. So fließt die Regnitz auf zwei Wegen rund 5 Kilometer durch Bamberg, bevor sie sich auf der Höhe des Stadtteils Gaustadt wieder vereinen.

Der linke Regnitzarm, der wie ein natürlicher Fluss wirkt, ist eigentlich eine beeindruckende Leistung des Wasserbaus im frühen Mittelalter. Er geht auf die Anlage eines gewaltigen Mühlkanals zurück, durch den mehr und mehr Mühlen am Fluss errichtet werden konnten.

Der direkte Weg ins Welterbe

Wenn die Radler am Ende des Hains das pittoreske Bootshaus mit dem schönen Biergarten direkt an der Regnitz und die Flussbadestelle im Hainbad passiert haben, sind sie auch schon mitten drin im Weltkulturerbe Bamberg. Vor ihnen setzt die Fähre Mühlwörth ans andere Ufer über, von dem das Künstlerhaus Villa Concordia grüßt und die Bierkeller am Stephansberg gut zu erreichen sind.

Unmittelbar nach der Walkmühle, in der früher Wollstoffe bearbeitet (gewalkt) wurden, entdecken die Radler ein paar Meter rechts vom RegnitzRadweg die Schleuse 100. Sie ist die einzige bis heute ununterbrochen funktionsfähige Kammerschleuse des Ludwigskanals – und nördlich von Nürnberg auch die einzige, die noch Wasser führt. Mit etwas Glück erlebt man eine Schleusung, bei der mit Hand gekurbelt wird – etwa für die vielen Kanufahrer, die hier unterwegs sind.

Noch führt der RegnitzRadweg am rechten Regnitzufer entlang, und die Radler erhaschen dabei auch einen Blick auf die historischen Fischwinterungen. Diese tiefen Becken wurden bereits im 16. Jahrhundert erbaut und nutzen das Gefälle zwischen dem linken Regnitzarm und dem Hollergraben. Durch die hölzernen Bassins fließt mittels Röhren ständig Wasser hindurch und verhindert das Zufrieren. Damit bleibt das Fleisch der Karpfen aus dem Aischgrund und den Bamberger Teichen, die hier überwintern, schön frisch.

Zu den Bamberger Mühlen

Über die Untere Mühlbrücke verlassen die Radler nun das rechte Regnitzufer und damit auch die Insel Geyerswörth, auf der sie seit dem Ende des Hains geradelt sind. Die Insel hat ihren Namen von Schloss Geyerswörth, dessen Renaissancebau sich mitten auf der Altstadtinsel erhebt, übrigens genau neben der Bamberger Tourist-Information.

Wer vor dem Überqueren der Regnitz die Insel zu Fuß noch genauer inspiziert, hat von hier aus auch einen hervorragenden Blick auf die historischen Gerberhäuser am Ludwigskanal, der die Insel auf der anderen Seite umfließt.

Auf der Unteren Mühlbrücke befinden sich die Radler mitten in Bambergs „Mühlenviertel“. Die Oberen Mühlen und die Unteren Mühlen waren nicht nur in früheren Jahrhunderten das wirtschaftliche Zentrum Bambergs, sondern ab der Mitte des 19. Jahrhunderts auch ein Zentrum der Industrialisierung: mit der Wasserkraft wurden Gläser geschliffen, Kronkorken und Metallfolien gefertigt sowie dank einer Pumpstation die Bamberger Hügel mit Frischwasser versorgt.

Das Klein-Venedig der Bamberger Fischer

Von der Brücke aus fällt, während das Wasser unter einem tost, der Blick auf eine der bekanntesten Sehenswurdigkeiten Bambergs: das Brückenrathaus. Der Bau mit seinen monumentalen Fresken steht städtebaulich einmalig mitten über dem linken Regnitzarm. Die Fahrt an der Regnitz bringt die Radler durch die Gassen der Altstadt in die Sandstraße. Von hier aus ist der Domberg und mit ihm der Kaiserdom leicht zu erreichen – und das Historische Museum in der Alten Hofhaltung.

Letzteres beherbergt die Ausstellung „Im Fluss der Geschichte. Bambergs Lebensader Regnitz“ und zeigt äußerst lebendig, wie hervorragend sich Stadt und Landgeschichte anhand der Regnitz erzählen lassen. Ein Tipp ist dabei der Audioguide, mit dem man die Ausstellung entdeckt – und auf Wunsch auch den „Flusspfad Bamberg“, der an allen wichtigen Flusspunkten der Stadt Station macht. Begleitet wird man auf dem Audioguide übrigens von „Frau Regnitz“ persönlich.

Der RegnitzRadweg führt zurück an den Fluss. Am anderen Regnitzufer gerät sofort das Fischerviertel ins Sichtfeld der Radler. In Bamberg Klein-Venedig genannt, besteht es bereits seit dem Mittelalter. Früher war das Erdgeschoss der bunten Häuser zudem offen, damit die Fischer mit ihren Schelchen genannten Booten direkt unter ihrem Haus „parken“ konnten.

Am „Leinritt“, auf dem früher die Schiffe flussaufwärts gezogen wurden, führt der Weg immer an der Regnitz entlang weiter nach Gaustadt. Hier vereinigt sich der linke Regnitzarm wieder mit dem zum Main-Donau-Kanal ausgebauten rechten Regnitzarm. Auf der Insel dazwischen liegt der ERBA-Park, dessen Herzstück der naturnah gestaltete Fischpass ist. Auf Trittsteinen können die Radler hier ihre Füße kühlen und dabei dem Flug der Libellen zusehen.

Abschied von der Regnitz

Bald danach gilt es, in Bischberg Abschied zu nehmen von der Regnitz: Hier mündet sie in den Main, hier endet auch der RegnitzRadweg. Nur wenige Meter vor der Mündung schaukeln noch die Schelche im Fischerhafen. Auf ihnen findet zur Kirchweih das Fischerstechen statt, bei dem sich die Fischer gegenseitig vom Boot aus in die Regnitz stoßen.

Mehr über deren lange Tradition erzählt in Bischberg das Fränkische Fischereimuseum. Auf der anderen Flussseite, an den Ausläufern der Haßberge, liegen bereits die ersten Weinberge des Maintals.


Kurz-Info

Gesamtlänge: 22 km

Verkehrsbelastung

  • teilweise auf wenig befahrenen Nebenstraßen

Ausschilderung

  • gute Beschilderung mit Wegweisern und Kilometerangaben (angelehnt an Richtlinien des ADFC und der Obersten Baubehörde)

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