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Fachwerk, Flussgeschichte und flüssiges Gold

Ab Forchheim ändert sich der Charakter des RegnitzRadwegs. Den Fluss hat man jetzt seltener im Blick – auf Natur und Kultur muss man aber nicht verzichten, ganz im Gegenteil: Diese Etappe ist geprägt von Weihern, Schleusen und bester fränkischer Braukultur.

Nach dem Start der Etappe in der Forchheimer Altstadt dauert es nicht lange, bis die Radler die letzten Häuser hinter sich gelassen haben. Während links des RegnitzRadwegs fruchtbare Felder mit dem unterschiedlichsten Gemüse und Getreide liegen, erstreckt sich rechts die Kette des Örtelbergweihers, in dem die in Forchheim gerne servierten Karpfen heranwachsen. An seinem Ufer wächst duftendes Mädesüß, und die Radler werden vom Quaken der Frösche und dem Sirren der Libellen begrüßt.

Radelt man weiter, genießt man schon bald rechter Hand den Blick auf den Spitzelberg und das Auf und Ab der Fränkischen Schweiz. Wer im Frühsommer radelt, entdeckt am Wegrand zudem in den Bäumen eine rote Köstlichkeit, für die die Fränkische Schweiz besonders berühmt ist: die Kirschen. Die Region ist das größte zusammenhängende Anbaugebiet für Süßkirschen in Deutschland.

Weiter gehts durchs Hirtentor

Als nächster Ort empfängt Eggolsheim die Radler, die am Eingang des denkmalgeschützten Ortskerns auch gleich eine Besonderheit erwartet: Hier steht eine der vier offenen Holzkapellen, wie sie an allen Eggolsheimer Ortsausgängen zu finden sind. Unter ihrem Fachwerk beherbergen sie jeweils einen Bildstock aus dem 15. bzw. frühen 16. Jahrhundert. Vorbei an eindrucksvollem Fachwerk radelt man weiter – und hindurch: der Weg führt mitten durch den Fachwerkbau des Hirtentors, das an die frühere Befestigung des Ortes erinnert.

Von Eggolsheim aus begleiten die Radler ein Stück weit den Eggerbach, bevor in Untersturmig mit der Umweltstation Lias-Grube ein Naturhöhepunkt wartet. Wer davor aber noch eine Besonderheit probieren möchte, macht noch einen Abstecher nach Neuses, wo in Deutschlands ältester Single Malt Whisky-Destillerie seit über 30 Jahren und mit viel Geduld feine Whiskys entstehen.



Zu flüssigem Gold und einer Jeans-Legende

Spätestens jetzt ist es aber höchste Zeit, sich auf ein anderes flüssiges Gold einzustellen: das Bier. Schließlich geht es in leichtem Auf und Ab auf Buttenheim zu, und schon am Ortseingang locken zwei wunderbare Bierkeller der beiden örtlichen Brauereien.

In Buttenheim selbst beweist ein Besuch im Levi-Strauss-Museum, dass es ein Franke war, der der Welt ein heute nicht mehr wegzudenkendes Kleidungsstück geschenkt hat: die Jeans. Im Geburtshaus von Levi Strauss erzählt das Museum, wie der in Buttenheim in ärmlichen Verhältnissen geborene Levi als jüdischer Auswanderer in den USA zu Ruhm und Vermögen kam. Am Ortsrand liegt zudem mit dem jüdischen Friedhof einer der schönsten noch erhaltenen seiner Art in Franken. Und noch eine jüdische Spur findet man hier: An dem liebevoll restaurierten Gebäude einer Bäckerei in der Schlossstraße fällt der zweigeschossige Erker ins Auge. Er war einst Schauplatz des jüdischen Laubhüttenfestes.

Ein Katzensprung zur Korbflechterei

Nur ein Katzensprung ist es von hier nach Altendorf, dessen Höfe im Herbst mit Tausenden von Kürbissen geschmückt sind. Altendorf war außerdem einst ein Zentrum der fränkischen Korbflechterei. Die große Masse der meist von zu Hause aus arbeitenden Korbflechter ist zwar verschwunden, aber ganz in der Nähe des Bahnhofs hat ein traditionsreicher Korbmacher auf einem weitläufigen Gelände seine Werkstatt, wo er die biegsamen Weiden vom ersten bis zum letzten Schritt selbst verarbeitet.

Altendorf verlassen die Radler auf der Brücke über den Main-Donau-Kanal. Wer nicht die gesamte Tour fahren will, hat hier die Möglichkeit, ganz bequem auf die Kanalroute zu wechseln und auf ihr die Rückfahrt Richtung Nürnberg über das urfränkische Pautzfeld samt Dorfbrunnen, Wirtschaften und spätmittelalterlicher Kirchhofbefestigung anzutreten.

Kleinod und Karpfen im Steigerwald

Mit dem Überfahren der Brücke verlässt man die Fränkische Schweiz und radelt nun im Steigerwald weiter. Der erste Ort empfängt die Radler direkt hinter der Brücke: Seußling. Hier thront mit der so genannten Slawenkirche eine der ältesten Kirchen der Region mit Pfarrhof und wehrhafter Kirchhofbefestigung über der Regnitz. Das gotische Kleinod mit Wurzeln im frühen Mittelalter war von Kaiser Karl dem Großen als einer der 14 Kirchen zur Christianisierung des Bamberger Umlands gegründet worden.

Von Seußling aus empfiehlt sich ein Abstecher hinauf zum Kreuzberg bei Hallerndorf, den man über den Aischtalradweg erreicht: Dieser lohnt sich einerseits wegen der spätgotischen Wallfahrtskirche von 1463, die sich auf seiner Kuppe erhebt. Zum anderen aber wegen den drei wunderschönen Bierkellern, die gleich bei der Kirche liegen und jeweils von einer der drei Hallerndorfer Brauereien betrieben werden. Wem der Anstieg zu steil ist, der kann sich auch in und um Hallerndorf selbst in mehreren idyllischen Bierkellern stärken oder einen der schmackhaften Aischgründer Karpfen genießen, die in allen Monaten mit „r“ im Namen Saison haben.

Panoramablick über das Regnitztal

Radler, die von Seußling aus auf dem RegnitzRadweg weiterfahren, genießen das RegnitzRadweg-Panorama, das sich ihnen schon bald bietet. Der Blick schweift hinüber zur Fränkischen Schweiz mit dem Walberla, dem Schießberg und der Friesener Warte als markantestem Höhenzug des Regnitztals bei Bamberg. Man blickt auf den Main-Donau-Kanal – und auf ein renaturiertes Stück der Regnitz. Die Vielfalt des Lebens in der Flussaue ist aus der Ferne nur zu erahnen: Auf den Kiesinseln brütet der Flussregenpfeifer, im Weidengebüsch singen Nachtigall und Blaukehlchen und der Eisvogel stürzt sich ins Wasser, um kleine Fische zu jagen. Im Wasser ziehen im Verborgenen Hecht, Barbe und Nase vorbei.

So erreicht man schon bald Sassanfahrt mit dem Museum Tropfhaus und dem 2013 renovierten Schloss, dessen schmucke Parkanlage zum Verweilen einlädt. Sassanfahrt ist zudem ein Ortsteil des benachbarten Hirschaid, das sich als Endpunkt dieser Etappe anbietet – unter anderem für einen Besuch des Museums Alte Schule oder beim Büttner, der hier seinem traditionellen Handwerk nachgeht und Fässer in fast allen Größen herstellt. Auch eine traditionelle Schusterwerkstatt gibt es hier noch.


Kurz-Info

Gesamtlänge: 17 km

Verkehrsbelastung

  • teilweise auf wenig befahrenen Nebenstraßen

Ausschilderung

  • gute Beschilderung mit Wegweisern und Kilometerangaben (angelehnt an Richtlinien des ADFC und der Obersten Baubehörde)

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